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Schlafyoga

Die Tantrayana-Methoden verwenden immer Dinge, die wir bereits haben. Eines dieser Dinge ist der Schlaf. Wir müssen jede Nacht schlafen und haben somit jede Nacht die Möglichkeit, zu praktizieren. Wenn wir einschlafen, löst sich unser konzeptuelles Denken auf, und wir gelangen auf natürliche Weise in den Geisteszustand des Klaren Lichts. Dies ist ein kraftvoller Augenblick.

Normalerweise schlafen wir ohne Bewusstheit ein. Wir sind uns der Phasen, die unser Geist durchläuft, nicht bewusst und nehmen diese Zustände nicht wahr. Das ist wirklich eine verpasste Gelegenheit, denn genau so, wie wir einschlafen, werden wir auch sterben. Wenn wir lernen, diesen Augenblick zu erfassen, ihn zu erkennen, werden wir auch in der Lage sein, unsere Erfahrung des Todes bewusst zu steuern. Schlafyoga ist eine sehr wichtige Praxis. Wir können mit dieser einen Methode sogar die Erleuchtung erlangen.

Wenn wir einschlafen, gelangt unser Geist automatisch in den Zustand des Klaren Lichts. Normalerweise erlangen wir den Geisteszustand des Klaren Lichts, den reinsten Teil des Geistes, durch Meditation. Aber es ist auch möglich, einfach durch den Prozess des Schlafens dorthin zu gelangen. Wir müssen keine Ruhe schaffen oder meditieren; es geschieht, ohne dass wir etwas tun.

Im Geisteszustand des Klaren Lichts verschwindet alles Denken. Nur das reine Bewusstsein bleibt. Im Allgemeinen erfahren die Menschen dieses reine Bewusstsein als Dunkelheit, als Nichts. Aber Praktizierenden ist es möglich, voller Bewusstheit einzuschlafen.

Wenn wir einschlafen, löst sich zuerst das Erdelement auf. Die Energie des Erdelements löst sich auf, und der Teil des Bewusstseins, der auf dem Erdelement basiert, löst sich ebenfalls auf. Als nächstes lösen sich die Energie und das Bewusstsein des Wasserelements auf, dann die des Feuerelements, und schließlich die des Windelements.

Für diesen Vorgang gibt es äußere und innere Zeichen. Diese bezeichnen wir als weißes Licht, rotes Licht, schwarzes Licht und klares Licht. Es sind keine körperlichen Zeichen, sondern innere. Man sieht nur weiß, dann rot usw. Man hat keinen anderen Gedanken als weiß, rot, schwarz und dann klares Licht.

Bis zu dem Moment, in dem wir den Zustand des Klaren Lichts erreichen, haben wir immer noch ein paar Gedanken. Aber dabei handelt es sich wirklich um den letzten Teil des Denkens, den man noch nicht-konzeptuellen Geist nennen kann.

Aber wenn die einzelnen Elemente sich auflösen, löst sich auch das auf diesen Elementen gründende Bewusstsein auf. Und wenn das grobe Bewusstsein sich vollständig auflöst, bleibt nur das subtile, reine Bewusstsein.

In dem Moment, in dem wir diese Bewusstheit und den Zustand des Klaren Lichts erlangen, können wir einen besonderen Traumkörper schaffen. Dieser Traumkörper ähnelt dem Illusionskörper und geht über das Körperliche hinaus.

Beim Schlafyoga nutzen wir den Schlaf selbst, um den Zustand des Klaren Lichts zu erlangen. Wenn der Zustand des Klaren Lichts erreicht ist, kann ein Mensch mit höheren Verwirklichungen diesen besonderen Traumkörper schaffen. Wer diese Verwirklichungen nicht hat, träumt normal. Traumyoga ist etwas, das wir nach dem Einschlafen üben. Im Traumyoga versuchen wir, den Traum als Traum zu erkennen, und können so die Illusion verstehen. Im Schlafyoga versuchen wir nicht so sehr, die Illusion zu verstehen, sondern wir versuchen, den Geisteszustand des Klaren Lichts zu erlangen.